BILDUNGSARBEIT FÜR KINDER UNTER DREI JAHREN


Bela ist 22 Monate alt. Er geht seit vier Wochen in unsere neue "Nestabteilung", in der die Kleinen vom 1. bis zum 3. Lebensjahr optimal betreut werden. Bela ist ziemlich schnell im "Nest" heimisch geworden. Seiner Mama fiel das Abschiednehmen nicht leicht, aber nach einer gewissen "Eingewöhnungsphase für die Mama" scheint es so, als haben sich die beiden mit der neuen Struktur ihres Tagesablaufes angefreundet. Vor Bela steht eine Kiste mit vielen Tieren. Er entdeckt den Elefanten und ruft "terö, terö". Dann geht er zur Erzieherin Anne und zieht sie zur Kiste und sucht alle Elefanten heraus. Inzwischen kommen Karl und Florian hinzu, suchen gleichfalls Tiere - z.B. Krokodile - heraus und benennen diese. Neugierig schaut sich der 26 Monate alte Gustav das Geschehen an und sagt: "Anne Tierpark bauen" und holt sich auch einige Bausteine, die er mit Unterstützung der Erzieherin zum Zaun aufstellt. Interessiert setzt sich Nike auf Annes Schoß und beobachtet alles. Conrad, er ist bereits ein Jahr in unserer Kita, baut inzwischen voller Freude eine Eisenbahn für den Tierpark. Auch Theo und Levin, unsere Jüngsten, entdecken die Tiere und untersuchen sie gründlich. Giraffe und Nilpferd werden in den Händchen hin und her gedreht, mal wandern sie auch in den Mund, werden dann schnell weggelegt.

Jedes Kind ist in dieser Zeit ein Forscher, der sich in unbekannte Gefilde begibt. Die Entdeckungen sind die Basis für Erkenntnisse, für Erfahrungen und Speicherungen im kindlichen Gehirn. Das Geschilderte und viel ähnlich Erlebtes ist für uns Erwachsene pure Normalität, für die Kinder indes ist alles etwas ungeheuer Spannendes. Zu beachten ist dabei, dem Erkundungswillen einerseits genau definierte Grenzen zu setzen und andererseits den Mädchen und Jungen genügend Spielraum zu lassen. Sich mit den Jüngsten auf dem weiten Feld der Bildungserfahrung zu bewegen ist eine anspruchsvolle Sache. Das "Eididei" ist dabei von vorgestern, vielmehr geht es um Motivation, Steuerung und Hilfestellung bei der Erkundung der ureigensten Umwelt, der Verarbeitung und Speicherung von Erkenntnissen und ihre kognitive Verknüpfung mit neuen Erfahrungen. Wieviel Bausteine braucht ein Turm? Warum rollt der Ball mal schnell, mal langsam? Warum bricht manches, wenn ich es biege? - kleine Fragen, deren Beantwortung jedoch eine große Denkleistung bedingt.

Eingebettet von Liebe und Fürsorge wagt sich das Kind in das unbekannte Gelände, um die Welt zu entdecken und damit sich selbst. Das Bedürfnis zu lernen ist latent vorhanden, freilich muss es gefördert werden. Gerade im Alter von 1 bis 3 Jahren ist hierbei die begleitende Hand notwendig, die auch mal etwas im wahrsten Wortsinne vormacht. Und es zählen die wirklich kleinen Schritte, die sich den Bildungsinhalten, wie wir sie definieren, suchend annähern. Es geht hierbei eher um die Methodik und das Schärfen der Sinne - dies ist das Formen des "technischen Handwerkszeugs" für weitere und tiefer gehende Erkenntnisse. Es ist, wenn man so will, ein Wechsel für eine von persönlicher Selbständigkeit geprägte Zukunft.


Die Eingewöhnung

Am Anfang steht ein großer Schritt: Ein Kind hält sich zum ersten Mal ohne Mama und Papa in einer neuen Umgebung auf. Alles ist ungewohnt, sehr quirlig und vielleicht in den Kinderaugen auch etwas unheimlich. Ebenso betreten die Eltern oftmals Neuland. Was muss ich wissen, was erwartet mein Kind, wird es sich auch wohl fühlen? - Diese Frage stehen im Raum und sie sind sehr verständlich.

Nach dem großen Schritt beginnt nun die Zeit der kleinen Schritte. Gemeinsam mit den Eltern entwickelt die Erzieherin einen zeitlichen Rahmen, in dem die Anwesenheit der Mädchen und Jungen in der Kita langsam gesteigert wird und sich die Eltern eher unauffällig mehr und mehr zurückziehen.

Stand dem Kind anfangs Mama oder Papa in der neuen Umgebung zur Seite, tritt nunmehr eine neue konstante Bezugsperson - eben die Gruppenerzieherin - als Orientierungs- und Hilfspunkt hinzu. Sie kompensiert Ängste, "moderiert" die sozialen Kontakte zu den anderen Kindern, lenkt und leitet kindliche Neugier und Spielfreude. Wenn das Kind die Erzieherin als Vertrauens- und Leitperson angenommen hat, können wir die Eingewöhnungsphase als abgeschlossen bewerten.

Wichtig ist dabei die ständige Kommunikation mit den Eltern, um z.B. zu erfahren wie das Kind sich zu Hause vor und nach dem Kita-Aufenthalt verhält.

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